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Die Theater-AG des Max-Ernst-Gymnasiums führt am 21., 22. und 23. Juni 2018 im Rahmen des Brühler Sommers am MEG jeweils um 19:30 Uhr ihr neues Theaterstück „Eine Aufzieh-Apfelsine_CL_CKW_RK _R_NG_auf. Die Präsentation orientiert sich an dem 1962 veröffentlichten Titel von Anthony Burgess, welcher heute zu den bedeutendsten britischen Romanen des 20. Jahrhunderts zählt. Der Einfluss von (ungefilterten) medialen Sinneseindrücken und die Auswirkung auf die eigene Willensfreiheit ist heute aktueller denn je und so haben sich die Schülerinnen und Schüler der AG dem kontrovers diskutierten Thema mit viel Enthusiasmus angenommen.

Im Mittelpunkt des Stückes stehen der 17-jährige Alex und seine Droogs, die ihre Zeit neben diversen kriminellen Machenschaften damit verbringen, sich in der Milchbar zu treffen um „Milch Plus“ zu trinken, ein Trendgetränk, bei dem Milch mit Drogen versetzt wird. Nach etlichen Straftaten, die am Ende in einem Mord gipfeln, kommt es schließlich zur Festnahme und langjährigen Verurteilung des Protagonisten. Um möglichst rasch aus der Haft entlassen zu werden, stellt Alex sich freiwillig für eine neue Behandlungsmethode zur Verfügung. Diese versucht mit Hilfe von Konditionierung Straftätern ihre Gewaltbereitschaft dauerhaft abzugewöhnen. Wie diese Behandlung das Leben von Alex verändert und ihm seinen freien Willen raubt, können Sie in unserer Aufführung erleben.

Am Ende des Theaterstücks sieht der Zuschauer, wie der junge Alex erwachsen wird. Er will sich verlieben, denkt daran, Vater zu werden – er wird zum Mann. Er begreift, dass Gewalt „Kinderkram“ ist.

Stanley Kubrick drehte seinen berühmten Film 1971 auf der Basis der amerikanischen Ausgabe (von 1962), in der dieses Ende nicht vorkam, da der amerikanische Verleger dies streichen ließ (zu unrealistisch!). Diese Version endet mit der Heilung von Alex nach dem Sprung aus dem Fenster – also mit dem Ende der Konditionierung.In der europäischen Ausgabe war dann das letzte Kapitel zu finden.

In der AG wurde diskutiert, ob wir genau so wie Stanley Kubrick nach dem 20. Kapitel das Stück beenden wollen und sozusagen die Zukunft von Alex offenlassen. Es würde sich für das Publikum die Frage ergeben, was denn nach all diesen Tagen nun mit dem jungen Mann Alex passieren würde. Kehrt er zurück zu seinen Schandtaten? Kommt er zurück ins Gefängnis? Hat er nichts gelernt?

Die Schüler haben sich eindeutig für das 21. Kapitel entschieden, denn sie waren der Ansicht, dass sonst eine wichtige Botschaft verloren ginge – nämlich die, dass das Erwachsenwerden eine Reflexion mit sich bringt. Dass wir unsere Fehler erkennen und unsere unreflektierten Taten nicht wiedergutmachen können – es uns aber genauso schwerfallen wird wie unseren Eltern, dieses neue Wissen an die Jugend weiterzugeben. Die Schüler der AG waren der Ansicht, dass der „Lernerfolg“ ohne Kapitel 21 ausbleiben würde.

Darüber lässt sich sicherlich streiten, denn ob ein derartiger Übeltäter mit dem Alter „einfach so“ lernt, ist fragwürdig. Aber es ist schön zu sehen, wie die Schülerinnen und Schüler doch immer an das Gute und das Vernünftige im Menschen glauben.

Interessant ist auch für mich, dass auch ein subtiler Teil von Burgess‘ Experiment in der AG gelungen ist: Die Gewalt von Alex und seinen Droogs wurde von den Schülern kritisiert und abgelehnt, aber was ist mit der Gewalt der Uniformträger? Dies bliebe noch zu diskutieren.

Unter der Leitung von Yvonne Kreckel (Regie, Dramaturgie, Konzeption) und Ulrike Hagenkort (Bühnenbild) hat die Theater-AG lange geprobt, trendsetzende Kostüme gestaltet und ein eindrucksvolles Bühnenbild gebastelt, um am Ende ein Stück zu präsentieren, das auf gewohnt hohem Niveau kontroverse gesellschaftliche Themen mit einem neuartigen Videokonzept auf der Bühne verbindet.

 

Bilder der ersten Vorstellung

 

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