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„Neubeginn in Europa“!? – Die EU am Scheideweg zwischen vertiefter Integration und Renationalisierung“

Anlässlich der bevorstehenden Europawahl 2019 veranstalteten die Schülervertretung und die sozialwissenschaftlichen Oberstufenkurse des Max-Ernst-Gymnasiums mit Unterstützung ihrer Fachlehrer Jörg Kopplin, Jonas Tekath und Marco Wolny am Mittwoch, 03. April 2019 in der Aula des Max-Ernst-Gymnasiums eine eineinhalbstündige Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Gästen. Panagiotta Boventer (SPD), Murat Yilmaz (Die Linke), Daniel Freund (Bündnis 90/ Die Grünen), Markus Hausmann (AfD) und Annina Frangenberg (FDP) diskutierten mit Schülerinnen und Schüler konkret über Themen aus den Bereichen Wirtschafts- und Währungspolitik, Sozialpolitik, Außen- und Sicherheitspolitik sowie Klimapolitik. Das Forum bot sowohl den an Politik interessierten 400 Schülerinnen und Schülern der Oberstufe sowie der engagierten Schulgemeinschaft eine ausgezeichnete Gelegenheit, Politik hautnah zu erfahren und am demokratischen Diskurs teilzunehmen.

Nach einer kurzen Kennenlernrunde hatten die Politikerinnen und Politiker die Möglichkeit, die kritischen Schülerinnen und Schüler für Politik und ihre Themen zu begeistern. Zunächst hatten die anwesenden Schülerinnen und Schüler aller Oberstufenkurse aber die Möglichkeit, per W-Lan ihre Stimme für eine Kandidatin oder einen Kandidaten abzugeben. Dieses Voting wurde am Ende der Debatte nochmals durchgeführt, sodass die Politikerinnen und Politiker sehen konnten, wie ihre Argumente beim Publikum ankamen und ob sie überzeugen konnten.

„Ist der deutsche Exportüberschuss gut oder gefährlich?“

„Brauchen wir einen europäischen Wirtschaftsminister?“

„Wollen Sie eine vertiefte Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik?“

„Was halten Sie von dem Leitbild Vereinigte Staaten von Europa?“

Über diese und andere Fragen wurde lebhaft und kontrovers gestritten. Insbesondere zwischen Herrn Freund (Bündnis 90/ Die Grünen), der eine vertiefte Integration für die Lösung grenzüberschreitender Probleme unabdingbar hielt, und Herrn Hausmann (AfD) wurden die grundverschiedenen Auffassungen erkennbar. Letzterer vertrat zum Beispiel die Position, die Ungleichgewichte in der EU seien nicht durch die deutsche Exportstärke, sondern durch die gemeinsame Währung bedingt: Der Euro bringe die Südländer um die Möglichkeit ihre Währung abzuwerten – Renationalisierung sei in der Währungspolitik der richtige Weg. Aber auch zwischen Herrn Yilmaz und Herrn Freund wurden die Differenzen deutlich: Die Grünen distanzierten sich nicht von der Rüstungsindustrie, sondern nähmen sogar deren Spenden dankend an, warf Yilmaz dem Vertreter der Grünen vor.

Auch die hervorragend vorbereiteten und schlagfertigen Moderatorinnen und Moderatoren Elisa Höber, Anna Homann, Felix Welke und Alexander Kessebohm hakten mehrmals kritisch nach und deckten so einige Widersprüche in der Argumentation der Diskutanten auf. Warum denn Herr Hausmann sich bemühe, sparsam zu heizen und auf das Auto zu verzichten, wenn seine Partei den menschengemachten Klimawandel leugne, wollte Elisa Höber zum Beispiel wissen. Allerdings achteten die Schülerinnen und Schüler auch penibel auf Fairness in der Debatte. So blendeten sie mehrfach die bisherigen Sprechzeiten der Teilnehmer ein und sorgten für ausgewogene Sprechanteile.

In einem zweiten Block überprüfte das Moderatorenteam, wie vertraut die Politiker und Politikerinnen mit ihrem eigenen Wahlprogramm sind: Es wurden einzelne Sätze aus einem Programm verlesen. Wer glaubte, das Zitat stamme aus dem eigenen Programm, sollte sich melden. Vielleicht lag es an der typischen Sprache solcher Programme, vielleicht an tatsächlicher politischer Nähe: Oft meldeten sich mehrere Teilnehmer gleichzeitig.

Es folgte noch eine Runde, in der Fragen, die zuvor von allen Oberstufenkursen gesammelt worden waren, an die Politikerinnen und Politiker gerichtet wurden. Am Ende konnte dann das während der gesamten Veranstaltung äußerst interessierte Publikum erneut abstimmen, und gemeinsam mit den gespannten Gästen auf dem Podium über Gewinne und Verluste reflektieren.

Nach der ersten Podiumsdiskussion mit Landtagsabgeordneten 2017 konnten Schüler und Lehrer nun also erneut einen Beitrag leisten zur aktiv gelebten Demokratie am traditionsreichen, Gegenwart und Zukunft verpflichteten Gymnasium. Die Podiumsdiskussion diente auch als Station im Willensbildungsprozess für die Juniorwahl, an der alle Schülerinnen und Schüler ab den neunten Klassen am Max-Ernst-Gymnasium in der Woche vor den eigentlichen Europawahlen teilnehmen und so die Europawahl simulieren werden.

 

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